»Überlauf Nr. 1«, 2016, Öl auf Leinwand, 60 × 50 cm



»Stillgewässer 7«, 2012, Öl auf Holz, 90 × 70 cm



»Stillgewässer 8«, 2013, Öl auf Holz, 40 × 40 cm



»Stillgewässer 35«, 2014, Öl auf Holz, 80 × 68 cm



»Überlauf Nr. 24«, 2016, Öl auf Leinwand, 100 × 80 cm



»Überlauf Nr. 6«, 2016, Öl auf Leinwand, 60 × 80 cm

THOMAS MATAUSCHEK

11. März – 5. Juni 2017


»Stillgewässer«


Eine klassische Schönheit ist er nicht, der kleine Löschteich zwischen Bäumen und Büschen hinter Thomas Matauscheks Atelier. Er ist noch nicht einmal besonders interessant oder auffällig, niemand schenkt ihm Beachtung – außer dem Maler. Immer wieder macht er das profane Wasserbecken aus verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Ausschnitten zu seinem Bildgegenstand. Mal mit leuchtenden Farben im Sommer, dann wieder grau und nasskalt im Herbst, erstarrt in Schnee und Eis im Winter, unterm farblosen Licht des Vorfrühlings, das noch nicht wärmt. Matauschek untersucht das Stillgewässer akribisch von allen erdenklichen Seiten und in allen denkbaren Zuständen. Doch der analysierende, nüchterne Blick eines Wissenschaftlers mischt sich hier mit einer beinahe romantischen Strategie: Der genaue, immer und immer wiederholte Blick auf einen funktionalen gemauerten Überlauf offenbart nach und nach dessen ganz eigene Schönheit. Der Künstler verzaubert eine rational-technisch entzauberte Welt erneut, indem er den unscheinbaren Dingen ihre ganz eigene Würde verleiht.

Mit diesem Interesse an sonst unbeachteten Dingen bewegt sich Matauschek in einer künstlerischen Tradition, die schon in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts oder den Bildern des Dresdner Malers Christian Friedrich Gille im frühen 19. Jahrhundert ein Gegenmodell zu den
»bedeutenden« Sujets und Gattungen der Malerei bildete. Der Publizist Johann Heinrich Merck schrieb in seinen Betrachtungen über Landschaftsmalerei darüber schon 1771:

»... wird aber ein Gegenstand, und auch der dürftigste, oft und lange besucht, von allen Entfernungen und Augpunkten betrachtet, zu allen Tag- und Jahreszeiten umgangen, so merkt man bald, was an ihm abstrakt und was zufällig ist. [...] Alle Geheimnisse und feste Gesetze der Natur werden enthüllt, und man lernt alsdann beleuchten wie sie, Mannigfaltigkeit und Magie über schon tausendmal gesehene Dinge verbreiten und dadurch den Ekel des Einförmigen vermeiden. Außerdem welche Einsichten in die Grenzen der Kunst, von dem, was darzustellen und nicht darzustellen ist, wenn man hartnäckig bei einem Gegenstand ausharrt!«

Das Leonhardi-Museum Dresden zeigt 50 Gemälde. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Biographisches
Thomas Matauschek wurde 1961 in Dresden geboren und studierte hier von 1983 bis 1988 an der Hochschule für Bildende Künste Gemälderestaurierung sowie Malerei und Grafik. Er ist Mitbegründer der Produzentengalerie »Galerie Adlergasse« und ist heute als Grafiker für Theater in Magdeburg und Potsdam tätig. Der Künstler lebt und arbeitet in Dresden und Potsdam.